Motivation

Warum macht man das?
Punktejagd und Standardstrecken werden „langweilig“. Man will unbekanntes Terrain erforschen, andere Plätze/Kulturen kennen lernen. Abenteuerlust. Machbares ausloten.

Pro:
Man trifft interessante Leute, lernt andere Plätze, Ansichten, Verfahren kennen.
Vor allem: Es macht Spaß.

Contra:
Man muss zeitlich und geographisch flexibel sein. Rückkehr an den Startplatz kann lange dauern, umständlich und/oder teuer sein. Man gewinnt damit nicht die DMSt.

Varianten

Mit Team und ohne Team:
Motorisierte Segelflieger können auf ein Rückhol- bzw. Begleitteam verzichten, wenn sie nicht ganz zart besaitet sind. Reine Segelflieger. haben die Wahl: Zwei Piloten wechseln sich mit Flugzeugfliegen und Hängergespannfahren ab und bewegen sich parallel durch die Welt. Flugausbeute 50% der Flugtage, hoher Benzinverbrauch. Oder drei Segelflieger teilen sich ein Hängergespann und einen Doppelsitzer. Flugausbeute 67%, pro Kopf etwas geringerer Benzinverbrauch. Oder man fliegt ohne Team, vermeidet das Außenlanden und holt sich gegebenenfalls vom Endpunkt der Reise selbst zurück. Flugausbeute: 100%, im Idealfall gar kein Benzinverbrauch.

Motorisiert und nicht motorisiert:
Ein Motor erleichtert die Sache ungemein, insbesondere wenn es sich um einen Eigenstarter handelt Allerdings nimmt das den Kick aus der Sache und ist aus puristischer Sicht daher nicht ganz ernstzunehmen.

Fremdorganisiert oder selbstorganisiert:
Fremd: z.B. Euroglide. 2 Wochen Zeit für eine 2000km-Strecke quer durch Europa, die vom Veranstalter vorgegeben wird, nach festen Regeln. Guter Einstieg in die Wandersegelfliegerei, aber unflexibel hinsichtlich Streckenwahl und Wetter-Timing.

Individuell: Eigene Zeit- und Routenwahl. Maximal flexible Reaktion auf die Wettersituation. Dadurch maximale Flugausbeute und Erlebnisdichte. Zufriedenheitsgarantie, wenn man auf den eigenen Flügeln wieder nach Hause kommt. Eine Hilfe hier kann diese WebSite sein.

Vorbereitung

Equipment:
Was braucht man? Was muss/kann man mitnehmen?

Grundsätzlich:
Streckensegelflug-Standardausrüstung: Essen, Trinken, Pinkeltüten, Hut, Anziehsachen, Geld, Handy, Karten, Papiere. Außerdem wenig, und das klein und leicht. Kreditkarte, Zahnbürste, Unterhosen. Werkzeug: Ratschenkasten, Leatherman). Elektroausrüstung (Akku-Ladegeräte, Steckeradapter international, Mehrfachsteckdosen, z. B. Powercubes mit 220V und USB) gängige Landeswährungen. Not-Abspannmaterial (Häringe, Seil). Ersatzsicherungen, Auto-Schleppseil. Print-Adressliste. Netbook/Smartphone, Waschmittel Kleidung,  Putzzeug für Flugzeug (Wasser-Trinkflasche/Muggenwech reicht). Schlafsack. Isomatte/Zelt ist entbehrlich. In der Regel kommt man im Vereinsheim, in einem Wohnwagen, auf einer Matratze in einer Flugzeug-Halle oder notfalls in einem Hotel unter.

Es ist hilfreich, das Gepäck so zu organisieren, dass man Akkus, Ladegeräte, Navigationssoft- und -hardware sowie Waschzeug, saubere Kleidung, Geld und Papiere mit wenigen Handgriffen beisammen hat (wenn eine ungeduldige Fahrgelegenheit zur Schlafstätte bereitsteht) und alles zur Not auch einmal einen Kilometer bis zur Übernachtungsstätte tragen kann, wenn keine bereitsteht. Wer einmal zwei Blei-Akkus auf den Zipser Berg getragen hat, überlegt den Umstieg auf LiFePO-Akkus.

Navigation:
Aktueller Kartensatz für Europa, ICAO ist kleinteilig, daher teuer und unhandlich.
Jeppesen 1:500000 war optimal, wurde leider eingestellt.
Alternativ: Editerra 1:1000000, Rogers 1:500000 Deutschland.
Navigations-Software: Umfangreiches Kartenmaterial und aktuelle Lufträume, bei bzw. über XCSoar alles kostenfrei erhältlich.
AIPs sind grundsätzlich im Internet einsehbar - nicht überall gelten die gleichen Regeln wie zuhause - ebenso die aktuelle Nutzung der Lufträume (Beschränkungsgebiete!) in den meisten europäischen Ländern. Information über lokale Besonderheiten sind in der Regel persönlich und vor Ort erhältlich.

Planung:
Mittelfristige Wettervorhersage beobachten, Urlaub und Verfügbarkeit Flugzeug koordinieren. Wetterentwicklung sollte über einige Tage hinreichend verlässlich zu beurteilen sein. Flexibel sein bei der Zeiteinteilung., flexibel sein bei der Streckenführung (Polen oder Frankreich?). Schlecht bis gar nicht langfristig planbar.

Fluggebiete:
Bevorzugt Länder mit guter Segelflug-Infrastruktur: Deutschland, Alpenraum, Tschechien, auch Frankreich, Polen, Slowakei. Ohne eigene Erfahrung, aber der Papierlage nach gut: Dänemark, Benelux, aber problematische Luftraumstruktur.

Unnötig:
Winterlanges Erstellen von Katalogen geeigneter Landeplätze und vorsorgliches Abtelefonieren von Flugplätzen. Hilfreich ist die Website Travel by Glider, wenn sie auch nicht immer top-aktuell ist.

Durchführung

Vor dem Start:
Konkret Streckenplanung angepasst auf den nächsten Flugtag  Dem Wetter nach-/vorfliegen. Wo komme ich (meteorologisch) morgen wieder in die Luft? Aus der Drei-Tages-Prognose: Wie erhalte ich mir die Rückkehroption offen? Nicht mit dem guten Wetter nach Rumänien treiben lassen, wenn man von dort absehbar nicht mehr zurückkommt, außer man hat die Option, das Flugzeug sicher unterzustellen und sich selbst zurückzuholen oder sehr gute Freunde der Sorte: "Dich hol ich von überall zurück!"

Unterwegs:
Konservativ fliegen. Immer ein Flugplatz in Reichweite. Wenn möglich, für die Wahl des Landeplatzes vor Navigationsentscheidungen Startmöglichkeiten am Folgetag im Funk abfragen..Auf alle Fälle vermeiden, auf einem Acker außenzulanden, deswegen ist Luftwandern nichts für Punktesammler und Geschwindigkeitsjäger. Von nahezu jedem Flugplatz kommt man wieder in die Luft, auch wenn es keinen Segelflugbetrieb gibt. Es gibt immer Nachbarplätze mit Schleppflugzeugen und -piloten, die man im Internet oder lokal/telefonisch (Aushänge am Vereinsheim) ausfindig machen kann. Zur Not beim Vereinsvorstand anrufen. Grundregel: Alle sind nett und hilfsbereit, wenn ein Wandersegelflieger gestrandet ist, insbesondere, wenn  er keinen Motor hat.

Kurzfristiges Wetterbriefing:
Zugang TopTask und/oder TopMeteo hilfreich, außerdem alle üblichen Quellen. WLAN häufig verfügbar an Flugplätzen, Flugplatzrestaurants, Vereinsheimen, Cafes, Hotels. In Polen/Tschechien: Häufig volle (bessere) Infrastruktur als in D (WLAN, Hotel, Restaurant, Geldautomat)

Eigener wandersegelfliegerischer Werdegang (Christof Maul):

Zweimal Teilnahme an Euroglide. Zwei Piloten mit einer LS4 und einem Anhänger. Danach zwei Mal selbst organisiert, mit Crew und Hänger. Optimierung der Flugtage durch Dreier-Teams. Ein fahrender Pilot mit Auto und Hänger, zwei fliegende Piloten auf Duo-Discus, Seitdem einige Male kürzere und längere Wandersegelflüge im Einsitzer alleine oder mit zwei Einsitzern zu zweit, ohne Hänger und Rückholmannschaft, etwa Deutschland-Tschechien-Polen (Schönebeck-Klix-Zielona Gora/PL-Eisenhüttenstadt-Tarmstedt-Schönebeck) oder Hessen-Alpen-Allgäu (Ziegenhain-Bayreuth-Seitenstetten/A- Füssen-Pegnitz-Ziegenhein). Übernachtungen im Wohnwagen, in der Schlepppilotenhütte, im Briefingraum, auf der Terrasse der Flugplatzgaststätte, im Flugzeughangar und im Hotel und bislang ohne Selbst- oder Fremdrückholung.

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