Hast du die Höhe erst mal, willst du sie nicht aufgeben, aber trotzdem Strecke gut machen. Das sind antagonistische Ziele. Deshalb ist es so schwierig. Es ist schwieriger zu erlernen als Kurbeln, denn du kannst nicht die gleiche Situation mehrfach durchleben und anders, neu, immer besser beherrschen lernen.

 

Wie eignet man sich die Fähigkeit an, geradeaus zu fliegen, ohne Höhe zu verlieren, oder geradeaus zu fliegen und sogar Höhe zu gewinnen ?

 

Die besten Voraussetzungen zum Erlernen des verlustminimalen Geradeausfliegens bietet der Teamflug zu dritt.

 

Übung 1

Wenn du mit deinen Kollegen unter der Basis weiter fliegst, musst du dir - ich nehme zunächst mal an, du spielst den Führer - einen Weg unter der Wolke entlang, entlang der Wolkenstraße, entlang der gereihten Wolkenbruchstücke suchen. Der Weg soll so verlaufen, dass du nach deinen Vorstellungen in möglichst gering sinkender oder sogar in steigender Luftmasse fliegen kannst.

Jetzt muss die Absprache gelten, dass deine Kollegen rechts und links von dir im Abstand von 100 - 200 m parallel mit dir, 50 m hinter dir, fliegen, möglichst auf gleicher Höhe, so dass du sie, wenn du den Kopf drehst, gerade noch sehen kannst. Die beiden sollen im Prinzip mit dir Parallelkurs fliegen und mit dir schwenken, wenn du das tust.

Ihr werdet nicht auf gleicher Höhe bleiben. Du musst dir einfach vor Augen führen, dass der optimale Weg fast nie 300 m breit ist und euch nicht alle drei gleichmäßig tragen kann.

Wenn dein Weg der optimale ist, dann werden deine Kollegen links und rechts gegenüber dir Höhe verlieren. Das ist das Ziel der Übung. Aber das wird dir am Anfang, wenn du noch kein guter Pfadfinder bist, nicht gelingen. Weil das Optimum des Weges mal rechts mal links von deinem Kurs liegt, bleiben die beiden mit dir im Mittel fast auf gleicher Höhe. Wenn du den Kopf drehst - die Kollega dürfen sich nicht soweit zurückfallen lassen, dass dein Genick bricht - und wenn ihr ein wenig funkt, dann wirst du bei dieser Übung fast in Realzeit heraus finden, wo der optimale Weg LAG. Betonung auf Vergangenheit.

Der Witz dabei ist natürlich, das im Vorhinein zu sehen, zu wissen, an der Wolkenformation zu erahnen. Es hinterher festzustellen, das ist ja nicht der Bringer.

Auch deine Mitflieger lernen bei dieser Übung, sind aber nicht so wirklich aktiv, denn du bestimmst ja, wo es lang gehen soll. Deshalb werdet ihr im Team die Rollen tauschen müssen. Du kannst mit deinen Mitfliegern solche Übungen in wechselnden Rollen in ausgeschriebene Dreiecke einbauen.

 

Übung 2

Wenn du mit deinen Kumpanen Übung 1 so abwandelst, dass die beiden nicht in einer festen Formation bei dir bleiben müssen, sondern in einem Streifen von 500 m links und rechts von dem von dir vorgezeichneten Weg für sich den besten Pfad finden dürfen, dann wird deutlich, dass es den Nachfliegern mit dem Vorbild, das du ihnen gibst, möglich wird, den Flugpfad DEUTLICH zu verbessern. Immer dann, wenn du nachdrücken musst, weil Fallen kommt, können die Nachflieger zur Seite ausweichen und - vielleicht - das Fallen umfliegen. Sie sehen, wo du hochziehst, sind so vorgewarnt und treffen mit ihrem Ziehen den Zeitpunkt des Eintritts in den Bart besser als du. Das gibt immer einige Meter mehr.

Sie sollten daher nach recht kurzer Zeit (10 Minuten) schon höher sein als du. Wenn du gegenüber deinen Mitfliegern auf Höhe bleiben kannst, bist du gut, zumindest besser als deine Kumpane, denn dann hast du wohl den optimalen oder den relativ besseren Pfad gesehen und bist ihn auch geflogen. Das ist das Ziel der Übung.

 

Geradeausfliegen bedeutet nicht nur, den besten Pfad zu finden. Es bedeutet auch, dass du handwerklich richtig fliegen musst.

Dazu gehört zunächst, dass du deinen Stil finden musst im Sollfahrtfliegen:

  • Wie schnell fliege ich ?
  • Wie schnell / hastig / verzögert / mit groben Bewegungen des Knüppels oder mit zarten folge ich dem Sollfahrtgeber ?
  • Wie hart oder weich ziehe ich die Maschine im Bart hoch ?
  • Wie hart drücke ich nach, wenn das Fallen kommt ?

Es gibt ein paar Regeln dazu (siehe weiter unten), deren Wohltaten du dann am Besten kennen lernst, wenn du sie bewusst verletzt.

 

Übung 3

Die Geschwindigkeit wird dir durch den Sollfahrtgeber nach MacCready-Einstellung vorgegeben. Wähle eine relativ hohe Einstellung: 1,5 m/s.

Versuche jetzt einmal dem Zeiger exakt zu folgen. Deine Höhenruderausschläge werden hart und hastig sein müssen. Das Lastvielfache im Cockpit wird dauernd variieren - und nach einer halben Stunde ist dir schlecht.

Vielleicht konntest du einen Kollegen überreden, mit dem entgegengesetzten Stil (ganz sanft) in 100 m Abstand und gleicher Höhe parallel zu dir zu fliegen. Dann kannst du nach der halben Stunde mal vergleichen, wer höher ist und/oder wer weniger gekotzt hat. Diese Übung wird nicht immer klare Ergebnisse bringen im Sinne eines Höhenvorteils, aber du wirst erfahren, dass diese Art von Fliegerei deinem Wohlbefinden nicht förderlich ist. Das ist das Ziel der Übung.

Natürlich solltet ihr dann, wenn dir schlecht ist, die Rollen tauschen ;-)

Es gibt zum Fliegen mit Lastvielfachen eine ganze Menge theoretischer Abhandlungen, die aber alle am Ende darauf hinauslaufen, dass der Versuch, dem Sollfahrtsignal akribisch zu folgen, nicht erfolgreich ist. Nur bei einem idealisierten Piloten und einer idealisierten Instrumentierung und Anzeige ohne Zeitverzug und einer Reaktion einer idealisierten Maschine ohne Zeitverzug, da wäre ein Vorteil möglich. Die Untersuchungen haben gezeigt, dass sogar ein festgehaltener Knüppel im Mittel besser ist als das Klein-Klein-Nachsteuern.

Das bedeutet natürlich nicht, dass die Sollfahrtregeln außer Kraft gesetzt sind. Es geht hier nur darum, mit welcher Eilfertigkeit du diesen Regeln nachkommst, mit wildem Gezappel oder langsam elegant.

 

Regeln (meine privaten - es gibt durchaus andere Meinungen)

  • Ich gehe sanft auf das Sollfahrtkommando ein. Wenn der Ton fällt, drücke ich weiter nach. Wenn der Ton schon wieder steigt, aber noch brummt, ziehe ich schon wieder ein wenig.
  • Ich ziehe kaum je mehr als 2 - 3 g und drücke nie so nach, dass der Dreck der letzten 20 Jahre im Cockpit hoch kommt, also niemals auf negative Beschleunigung. Ich ziehe umso härter, je stärker der Bart ist. Und ich ziehe umso härter, je schwerer mein Flugzeug ist. Und fliege umso zackiger, je unruhiger die Atmosphäre ist.

 

Übung 4

Nochmal : Geradeausfliegen bedeutet nicht nur, den besten Pfad zu finden. Es bedeutet auch, dass du handwerklich richtig fliegen musst.

Dazu gehört auch, dass du niemals stur geradeaus fliegst. Die Atmosphäre um dich herum bewegt sich und wirkt auf deine Ruder und deine Maschine. Du hast 15 m und mehr Spannweite. Und fast immer gibt es schon auf diese Entfernung einen deutlichen Unterschied im Steigen oder Fallen quer zu deiner Flugrichtung. Du müsstest ja mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wenn du diese "kostenlosen" Informationen nicht ausnutzt. ABER: Bevor du das tun kannst, musst du spüren, wo es hoch geht.

Diese Übung ist die schwierigste, weil es kaum Referenzen gibt, an denen du sehen kannst, ob du es gut oder schlecht machst. In Grenzen vielleicht Übung 1. Aber du musst immer, dauernd, jedes Mal, wenn du fliegst, auf die Indikationen achten, die dir der Querruderdruck deines Flugzeugs gibt. In Flugzeugen, die eine hohe Querruderreibung haben (DG800), ist das ganz besonders haarig. Ziel der Übung ist, dein zartes Händchen so zart zu machen, dass du diesen von außen induzierten Ruderdruck fühlst und dann natürlich dorthin steuerst, wo es hochgeht.

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